Besichtigung: Was Sie wirklich prüfen müssen

Eine Besichtigung dauert meist 30–60 Minuten. Das reicht nicht, um alle relevanten Mängel zu erkennen — es sei denn, Sie wissen genau, worauf Sie achten müssen.

Besichtigungs-Checkliste (kostenlos)

Alle Prüfpunkte zum Ausdrucken und Abhaken — für das Gespräch mit dem Bausachverständigen.

Checkliste (PDF)

Empfehlung: Bausachverständigen mitnehmen

Kosten: 300–800 € für eine Begehung. Ein qualifizierter Bausachverständiger (Mitglied im BVSK oder Sachverständigenorganisation) erkennt versteckte Mängel, die einem Laien entgehen. Wer 400.000 € ausgibt, sollte 500 € für diese Absicherung investieren.

Achtung: Der Hausinspektor des Verkäufers ist nicht Ihr Sachverständiger. Beauftragen Sie einen eigenen.

Finanzierungsnachweis vor der BesichtigungWer ohne Finanzierungsbestätigung besichtigt, hat wenig Verhandlungsmacht — Eigenkapital und Nebenkosten richtig planen

Feuchte und Schimmel

hoch

Keller: Wände, Boden, Ecken auf Feuchtigkeitsflecken untersuchen

Frisch geweißte Kellerwände können aktive Feuchtigkeitsschäden kaschieren. Mit einem Feuchtigkeitsmessgerät (ab 15 € im Baumarkt) testen.

mittel

Badezimmer: Verfugung, Silikon an Wanne/Dusche, Decke

Schimmel an der Decke deutet auf mangelnde Belüftung hin. Verfärbte Fugen = jahrelange Feuchtigkeit.

hoch

Außenwände innen: Ecken und Fensterlaibungen auf Kondensat prüfen

Besonders kritisch bei Außenwänden ohne Dämmung (Baujahr vor 1980). Feuchte Ecken = Wärmebrücke.

Dach

hoch

Dachboden: Dachpfetten, -balken auf Schädlingsbefall und Fäulnis

Hausbockkäfer und Holzwurm können tragende Konstruktion schwächen. Ein Bausachverständiger erkennt Befall an Bohrmehl.

mittel

Dachziegel: sichtbare Beschädigungen, fehlende Ziegel von außen

Mit Fernglas von außen prüfen. Baujahr des Daches erfragen — Lebensdauer Ziegeldach: 40–80 Jahre.

mittel

Dachfenster und -gaube: Dichtheit, Kondensatspuren

Undichte Dachfenster sind einer der häufigsten Wasserschäden-Auslöser.

Heizung

hoch

Baujahr der Heizungsanlage erfragen

Lebensdauer Gasheizung: 15–20 Jahre. Ölheizung: 20–30 Jahre. Ab 2024 Pflicht zur Betriebsprüfung (§ 60 GEG). Ab 2045 kein reiner Fossilbrenner mehr erlaubt — laufender Betrieb mit Mischbrenner möglich.

niedrig

Heizkörper: alle Räume aufdrehen, Wärme prüfen

Nicht wärmer werdende Heizkörper = Kalkablagerungen oder Systemfehler.

niedrig

Warmwasserversorgung: zentral oder dezentral?

Durchlauferhitzer vs. Boiler vs. Kombigerät. Leistung prüfen (Durchfluss ausreichend für Duschen?).

Elektrik

hoch

Sicherungskasten: FI-Schutzschalter (RCD) vorhanden?

Fehlender FI-Schutzschalter ist kein gesetzlicher Mangel bei Altbauten, aber Nachrüstung kostet 500–2.000 €. Alte Schmelzsicherungen = dringende Erneuerung.

niedrig

Steckdosen und Schalter: Zustand, ausreichende Anzahl in Küche/Bad

Weniger als 2 Steckdosen pro Seite in der Küche = Nachrüstung nötig.

hoch

Baujahr der Elektroinstallation erfragen

Installationen vor 1970 (Aluminiumkabel, keine Erdung) müssen komplett erneuert werden — Kosten: 5.000–15.000 € je nach Haus.

Fassade und Außenanlage

mittel

Putz: Risse, abplatzende Stellen, besonders an Sockel und Gesims

Haarfeine Risse = normal. Breite Risse (> 1 mm) = Setzungsrisse, statische Untersuchung empfehlenswert.

niedrig

Entwässerung: Fallrohre, Dachrinnen, Gefälle im Einfahrtsbereich

Wasser, das sich am Haus sammelt, ist langfristig der teuerste Schaden.

mittel

Terrassenbeschichtung / Balkon: Abdichtung, Gefälle

Fehlende oder schadhafte Balkonabdichtung = Wassereintritt in Decke darunter.

Ist der Angebotspreis durch den Zustand gerechtfertigt?Wie Baujahr, Zustand und Energieeffizienz den Marktwert beeinflussen — die 6 wichtigsten Faktoren

Fragen, die Sie dem Verkäufer stellen sollten

?Wann wurde das Dach zuletzt saniert?
?Gibt es bekannte Feuchtigkeitsschäden oder wurden welche in der Vergangenheit behoben?
?Welche Modernisierungen wurden in den letzten 10 Jahren durchgeführt?
?Warum wird die Immobilie verkauft?
?Wie hoch ist die aktuelle Energierechnung (Jahresverbrauch)?
?Gibt es laufende Streitigkeiten mit Nachbarn oder der Gemeinde?
?Sind Altlasten (z.B. Öltank, Asbest, KMF-Dämmung) bekannt?
?Bei ETW: Sind Sonderumlagen geplant? Wie hoch ist die Instandhaltungsrücklage?

Verkäufer sind zur Offenlegung bekannter Mängel verpflichtet (§ 444 BGB). Keine Antwort oder ausweichende Antworten sind ein Warnsignal.

Kaufvertrag & Notartermin verstehenWas nach einer positiven Besichtigung passiert — Notar, Klauseln, Fristen aus Käufersicht

Ist der Angebotspreis fair?

Prüfen Sie den Marktwert der Immobilie auf Basis amtlicher Bodenrichtwerte — bevor Sie ein Angebot abgeben.

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